Rautenförmige Schwertscheide

Gezeigt wird hier die Konstruktion der rautenförmigen Schwertscheide für das Prunkschwert.

a - d

Es wurde Kieferholz genommen, mit 4 gleichgroße, gerade Stücken, von 90 cm Länge, 4 mm Dicke, und 24 mm Breite.

e - f

Wieder aus Kiefernholz sind diese zwei Stäbe, deren Länge ebenfalls 90 cm ist, die Breite beträgt ca. 4 mm.

g

Das Schwert. Da die Schwertscheide "maßgeschneidert" ist, musste das entsprechende Schwert natürlich schon vorhanden sein.

Die Kanten wurden entsprechend bearbeitet, und die Holzleisten im entsprechenden Winkel zusammen geklebt ( Stabilisiert mit Krepp-Klebeband ). So fixiert, wurde Leim in die Kante zwecks besserer Stabilisierung getan. Genauso ging es mit c + d. Es empfiehlt sich, nach dem ersten Trocknen des Leims, mehrere weitere Lagen aufzutragen, um die Stabilität zu erhöhen.

Nach dem Trocknen und Entfernen des Krepp-Klebebands wurde das Schwert auf die Leisten a + b, sowie c + d gelegt, so konnte man mit dem Stift die Klinge entlang fahren. So hatte man auf der Ober- und Unterschale der Schwertscheide die Form des Schwertes. Beim Aussägen der zwei Schalenhälften musste eine Fläche von 4 mm stehen bleiben, wegen der Leisten e + f. Das Aussägen ging mit einer feinen Laubsäge sehr gut.

Nun wurden die äußeren Kanten, wie auf dem Bild zu sehen ist, wieder mit entsprechendem Winkel versehen, um anschließend an das Stück a + b, also die obere Schalenhälfte, die kleineren Leisten ( e + f ) zu kleben. Die Leisten mussten stark gebogen werden, deshalb empfiehlt es sich, sie stückweise fest zu kleben, und bei starker Krümmung sogar zu stückeln.

In die Ober- und Unterschale wurde nun eine Lage mittelfeines Leinen eingeklebt. Zuerst wurden die Schalen eingeleimt, der Stoff aufgelegt, gerade gezogen, und nach erstem Antrocknen nochmals komplett dünn mit Leim bestrichen. Es entsteht ein stabiles festes Gewebe, ähnlich wie Buckram ( im Spätmittelalter verwendetes Leinen-Leim-Gemisch zur Versteifung von Hüten, Satteldecken, Reiterzubehör etc. ), nur, dass es sich hier mit der Schwertscheide verbindet.

Nun wurde überstehendes Leinen entfernt, Ober- und Unterschale gesäubert, und zusammen geklebt. Fixiert wurden die Schalen wieder mit Klebeband. Die Schwertscheide trocknete einen Tag länger, weil die weitere Bearbeitung die noch unfertige Schwertscheide stark beanspruchen würde.

Vorsichtig wurde dann von der gesamten Oberfläche der Schwertscheide soviel Holz
herunter geraspelt, bis eine korrekte Form entstand. Eine schlanke rautenförmige
Schwertscheide. Es ist unbedingt zu beachten, dass man nicht zuviel Druck auf die Schwertscheide ausübt, da sie sonst leicht brechen kann. Zum Schluß wurde die Oberfläche mit Schleifpapier bearbeitet, dass alle Seiten und Winkel sauber waren.

Der vorletzte Schritt. Genau wie die Schaleninnenhälften, wurde auch die gesamte Schwertscheide von außen mit Leinenstoff bezogen und eingeleimt. Das Verleimen des Stoffes erhöht die Stabilität der Schwertscheide um ein vielfaches. Als alles gut getrocknet war, wurden überstehenden Stoffstücke entfernt.

Nun erhielt die Schwertscheide den typischen Rand und wurde mit Hirschleder bezogen, welches auf der Rückseite vernäht wurde. Anschließend wurde die Schwertscheide mit Samt aus 100% Seide überzogen.

Gesamtansicht.

Ein vergoldetes Ortblech rundete das Bild ab. ( hier mit Prunkschwert )

Grabfigur des John, Lord Cheyne. Ansicht des Schwertes.

Grabfigur des John, Lord Cheyne. Weitere Ansicht des Schwertes.

Quellen
Grabfigur des John, Lord Cheyne
mit Samt bezogene Schwertscheide ( frühes 14.Jh., ital. ) -> "The Sword In The Age Of Chivalry" ( Ewart Oakeshott ) -> S. 126 Sword 46. A.
mit rotem Samt bezogener Schwertgriff ( Mitte 15.Jh., ital. ) -> "The Sword In The Age Of Chivalry" ( Ewart Oakeshott ) -> S. 126 Sword 46. D.
Harnische und Schwerter im italienischen Stil, Mitte des 15. Jh. in England "The Sword In The Age Of Chivalry" ( Ewart Oakeshott ) -> S. 77
 
aktualisiert am 12.4.2012